Christuskirche, Schliersee

Die Christuskirche wurde 1950 vom Architekten Olaf Andreas Gulbransson entworfen. Nach einem Wettbewerb gelangte der Entwurf  des erst 37jährigen 1954 zur Ausführung. Nach Gulbransson ist eine Kirche in bestimmter Hinsicht ein funktioneller Bau, sie hat „Schale, Gehäuse für den Gottesdienst zu sein, die Gemeinde in die rechte Ordnung zum Altar, zur Kanzel und zum Taufstein zu bringen, damit zur Predigt und zum Abendmahl. Sie hat dem Wort, dem Gebet, Gesang und dem Orgelspiel das rechte Gehör zu verschaffen. Diese Grundidee hat Gulbransson in seinem ersten Kirchenbau beispielhaft und überzeugend verwirklicht: Ein Zentralbau, der in seiner äußeren und inneren Gestaltung ein Stück Verkündigung ist. Es war Olaf Gulbranssons erster Kirchbau. Zahlreiche weitere folgten und prägten die Neuentwicklung des Kirchenbaus in den 50er und 60er Jahren.

Äußeres

Für die äußere Form wählte der Baumeister die des Zeltes über einem oktogonalen Grundriss. Sie erinnert die Christen heute daran, dass sie – wie das Gottesvolk des Alten Testaments in der Wüste- auf dieser Erde unterwegs sind in eine neue Welt Gottes. Die Hangneigung, die von unten erheblich mehr Baukörper erkennen lässt, fördert diese Empfindung. Schaut man hingegen von oben oder von der Seite auf die Kirche, ist der Zeltcharakter unverkennbar. Innen fällt er noch stärker ins Auge. Gulbransson nimmt den alttestamentlichen Gedanken des wandernden Gottesvolkes auf, unterwegs durch die Wüste, stets gewärtig, das Zelt abschlagen und aufbrechen zu müssen, auf ein Ziel hin unterwegs, das noch nicht erreicht ist.

Inneres

Wenn man den Kirchenraum betritt, werden die Blicke nach vorne geführt, nach vorne und nach oben. Die mächtigen Holzbinder an der Decke richten sich dorthin aus und nehmen den Blick mit, die große Christusdarstellung zieht die Aufmerksamkeit auf sich, und vor allem: das Licht fällt von dort ein, vom Glasfenster in der Dachspitze über dem Altar. Dort soll sich die Aufmerksamkeit sammeln, dorthin nicht nur die Augen, sondern auch die Herzen gezogen werden: dorthin, wo das Heil des Menschen liegt, symbolisiert durch das Licht, das zu ihm kommt. Das architektonische Zentrum des Raumes ist da, wo Gott zum Menschen kommt: Durch Christus hindurch kommt das Licht vom Himmel zu Altar, Taufstein und Kanzel.

An allen drei Orten begegnet im Gottesdienst Gott in Christus: In der Taufe, in der im Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes ein Mensch damit beschenkt wird, nun Gottes Kind zu sein. Dadurch wird er zugleich in die Gemeinde aufgenommen. Am Altar, an den Menschen eingeladen sind, mit Brot und Wein Gott so nah wie nie zu empfangen, von der Kanzel, weil dort Gott in den ausgelegten Bibelworten zu uns spricht. Alle drei sind aufeinander bezogen durch die Fußbodenfließen, die die Altarerhöhung kreisförmig aufnehmen und Taufstein und Kanzel architektonisch mit dem Altar zusammenschließen.

Gleichzeitig gestaltet dieser Fließenbogen architektonisch die Verbindung zur Gemeinde. Das helle Licht, das vom Himmel kommt, kommt bis zu uns. Die Fußbodenlinie zwischen Taufstein und Kanzel berührt die ersten Sitzreihen und nimmt die Feiernden mit ins Heilsgeschehen hinein. Gott bleibt nicht in feierlichem Abstand. Er verbindet sich mit dem Menschen, gibt ihm Anteil an sich und Gemeinschaft mit sich. Und dabei: die Verbindung ist nicht in Linien gestaltet wie beispielsweise Sonnenstrahlen, weglaufend von der Mitte zum einzelnen. Es sind Kreisbögen wie von einem Stein, der ins Wasser geworfen wurde. Im Bogen ist auch die Gemeinde untereinander zusammengeschlossen. Sie ist, weil sie nach vorne hofft und dankt, auch untereinander verbunden.
Die Bänkeanordnung nimmt die Konzentration des Baus auf Christus und sein Licht und Heil für die Menschen auf, zugleich sind aber die Sitzenden in der Bogenform zusammengeschlossen. Am Ausgeprägtesten ist das zu spüren in der Feier des Abendmahls, wenn die Feiernden im Kreis an den Altarstufen Brot und Wein teilen.


Der Kirchenraum ist als Achteck geformt. Die Zahl acht beinhaltet verdoppelt die vier, die alte sinnbildliche Zahl für Universalität, weltweite Größe (alle vier Himmelsrichtungen) und Vollkommenheit.

In der Architektur ist die vier oft verwendet, um Gottes Größe und Erhabenheit auszudrücken. Hier ist das Kirchenzelt ein unregelmäßiges Achteck. Ob es beinhaltet, dass wir noch nicht perfekt sind und auch nicht zu sein brauchen? Ob es unsere Unfertigkeit aufnimmt und ihr vor Gott Gastfreundschaft gibt?

Christus jedenfalls lädt ein. In der großen Christusdarstellung unter dem Kuppelfenster breitet er einladend beide Arme aus. Das Kreuz steht in der Tradition romanischer Kreuzigungsdarstellungen:
Wohl ist Christus am Kreuz, sein Weg für uns durch Leid und Tod sind sichtbar. Aber mehr noch scheint die Auferstehung durch die Figur steht mehr als dass sie hängt, breitet mehr die Arme aus als dass sie durch Nägel und Folterer auseinandergerissen wären. Herr ist er bereits, nicht mehr Gequälter. Ein Kreis umgibt ihn, Zeichen, dass er König über den ganzen Erdkreis ist.
Dieses einst viel umstrittene Herzstück der Christuskirche wurde von Gulbransson entworfen und von ihm gemeinsam mit seiner Frau aus geätzten Messing- und Kupferblechen über einem Kern aus Pappe gefertigt. Dieses „Provisorium“ – als Vorlage für einen Bildhauer gedacht – ist aus der Christuskirche heute nicht mehr wegzudenken.

Die Aufhängung ist V-förmig und hat schon die Assoziation an das Siegeszeichen mit Zeige- und Mittelfinger ausgelöst. Andere sehen eine Verstärkung der Architektur: Von oben kommt trichterförmig Gottes Güte zu den Menschen, auf Altar, zu Taufstein und Kanzel, und zugleich zieht Gott uns dadurch nach oben, dem Himmel zu, zu dem wir auch auf der Erde gehören.

Wie in jeder Kirche erfährt man auch in der Christuskirche am meisten von ihrer Eigenheit und Schönheit bei der Feier des Gottesdienstes. Für ihn wurde sie gebaut. Wir laden Sie herzlich dazu ein! Bitte informieren Sie sich auf unserer Veranstaltungsseite darüber! Wenn Sie heute etwas von Ihrer Freude oder Ihren Sorgen hier lassen wollen, bieten wir Ihnen den Gebetskerzenleuchter und das Gästebuch dafür an!

Textzusammenfassung aus Kirchenführern von Ulrich Weicker und Irmtraud Scherm
und
Photos von Johannes Hütz

 Der Gemeindesaal unter der Christuskirche:

Geräumig und einladend und hell ist der Gemeindesaal unter der Christuskirche, dem eine kleine Küche angeschlossen ist, womit in den Sommermonaten sehr gut Gemeindefeste, Ausstellungen oder auch Stehempfänge und Seniorennachmittage ausgerichtet werden können. Er verfügt auch über eine kleine Bühne. Im Winter muss er wegen fehlender Heizung ungenutzt bleiben. Dies gilt auch für die Kirchenräume daher können nur im Zeitraum der "Sommerzeit" regelmäßige Gottesdienste dort stattfinden. Ausgenommen davon wird in der "Winterzeit"  (= Normalzeit) die Christvesper am Hl. Abend und auch der Gottesdienst am Karfreitag in der Christuskirche gefeiert.